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CI für “mein” Baby?

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich werde wiedermal von mehreren “Gehörlosen” auf mehreren Kommunikationswegen auf übelste Art und Weise und als Rassist beschimpft, weil ich denke, wenn zum Beispiel ich als Vater für “mein” taubes Baby folgende schwierige Entscheidung treffen müßte:

Sollte es echte Heilungschancen geben, also die Wahrscheinlichkeit bestehen, dass mittels CI mein Kind dann hören könnte. Also mehrere Fachleute ausreichende Voruntersuchungen machten und es bestätigen könnten. Wohl wissend, dass ohnehin jede OP ein Risiko ist, wie für andere OP’s auch, würde ich mich für die OP entscheiden.
Natürlich weiß ich, dass dass man trotz CI dann nicht so gut hören kann, wie ein Mensch ohne Hörschaden. Und dass danach langjährige Therapien und logopädische Trainings erforderlich sind, insbesondere auch außerhalb der Schule, also man sehr viel Privatzeit dafür opfern müßte.
Ich würde es auch deshalb so entscheiden, weil meine Eltern mit mir ähnliches machten, ohne deren enormen Einsatzes ich sonst mit deutlich mehr Barrieren in meinem Leben hätte kämpfen müssen. Ich hatte Glück!
Diese mögliche Entscheidung hat nichts mit für erwachsene, taube Menschen zu tun, da sie es für sich selbst entscheiden müssen. Wir alle haben ein Recht auf Selbstbestimmung.
Auch für die Kinder muss man es soweit wie möglich berücksichtigen.
Allerdings, gerade weil ich Vater bin, müsste ich es in bestimmten Fällen für das Kind entscheiden.
Es sind die Erfahrungen, die gezeigt haben, wie wichtig es ist, je früher das Kind erstmals hören kann, desto eher würden auch die nötigen Therapien und die logopädischen Trainings sein. Würde man warten bis das taube Kind volljährig ist und das Kind würde dann zu mir sagen, Papa, warum hast Du mich nicht schon damals operieren lassen? Dann müsste ich mir erst recht lebenslang Vorwürfe machen.
Also im Zweifel für eine OP, wenn es Heilungschancen gibt und ich die Kraft habe für die vielen Jahre danach.

Das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit der Fürsorge und Liebe für das Kind, das bestmögliche für das Kind zu wollen.
Ob das Kind dann später sich doch eher unter den Gehörlosen wohler fühlt, ist seine Entscheidung, die ich uneingeschränkt akzeptiere.

Meine Aufgabe als Inklusionspolitiker und Menschenrechtler ist ohnehin, die verschiedenen Gruppierungen in unserer Gesellschaft so weit wie möglich zusammenzuführen, was natürlich auch nur geht, wenn diese mit daran arbeiten.
Und natürlich geht es eben bei den Fragen um die richtigen Inklusionsprozesse nicht nur um Menschen mit Behinderungen, sondern betrifft uns ALLE, egel welche Religion, welcher kultureller Hintergrund, sexuelle Orientierung, etc..

Mit leidenschaftlichen Grüßen für Chancengleichheit und Gerechtigkeit für alle Menschen

Ihr/Euer Patrick

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